Blockchain meets Wirtschaftsprüfung 

In vielen Unternehmen ist Blockchain kaum ein Thema – noch. EY dagegen stellt sich hier bereits breit auf und integriert neueste Technologien in den Prüfungsansatz und die eigene Software. Alexander Weiß ist Associate Partner in der Wirtschaftsprüfung von EY und beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Blockchain. Im Interview verrät er euch, was der Vorteil von Blockchains ist und wie der digitale Ansatz von EY genau aussieht.

Hallo Alexander, stell dich unseren Leser:innen doch kurz vor. Wer bist du und was machst du bei EY?
Mein Name ist Alexander Weiß und ich bin Associate Partner in der Wirtschaftsprüfung von EY.

Was sind deiner Meinung nach die Vorteile von Blockchains?

Ich schätze, dass in Zukunft ein Großteil der klassischen Ein- und Verkäufe von Unternehmen über Blockchains abgewickelt wird. So können Abschlussprüfer:innen beispielsweise Umsatzerlöse unter Einbezug der jeweiligen Blockchain nahezu vollständig softwarebasiert prüfen. Die dadurch frei werdenden Kapazitäten können wir für einen noch stärkeren Fokus auf Prüfungsgebiete nutzen, die eine komplexere Beurteilung erfordern.

Wie sieht der digitale Ansatz in der Wirtschaftsprüfung von EY aus?

Der digitale Ansatz von EY lautet: Connected, Automating, Analyzing. Unter „Connected“ verstehen wir ein effizientes, flexibles und digitales Projektmanagement in Echtzeit. Im Zentrum steht dabei die unternehmenseigene webbasierte Prüfungsplattform EY Canvas. Diese hat uns besonders während des ersten Lockdowns im März 2020 geholfen. Obwohl alle Prüfungsteams und Mandant:innen von einem Tag auf den anderen von zu Hause arbeiten mussten, konnten wir die laufenden Abschlussprüfungen nahtlos und qualitativ hochwertig beenden. Insgesamt bietet die Plattform zahlreiche Vorteile, wie etwa bei internationalen Konzernprüfungen mit Beteiligten aus verschiedenen Teams und Ländern oder der Prüfungsnachweisübermittlung durch Mandant:innen. Neben klassischen Projektmanagement-Funktionen bietet EY Canvas individuelle Prüfungspläne, die auf die Besonderheiten der einzelnen Mandant:innen zugeschnitten sind. Während einer Prüfung wird die jeweilige „Canvas“ laufend angepasst, sodass zum Beispiel Gesetzesänderungen oder neue Standards direkt umgesetzt werden können. 

Als zweiten Baustein hat EY den Faktor „Automating“ in die Abschlussprüfung integriert. Dabei wurden Prozessschritte zunächst standardisiert und anschließend automatisiert. Simple und repetitive Tätigkeiten werden dadurch den Prüfungsassistent:innen abgenommen, sodass diese sich auf anspruchsvollere Tätigkeiten konzentrieren können.

„Analyzing“ ist das dritte Kernmerkmal der digitalen Abschlussprüfung bei EY. Dabei setzen wir Datenanalysen in jeder Phase der Prüfung flächendeckend ein – von der Planung bis zur Berichterstattung. Das hilft uns, die Prüfungsqualität zu erhöhen. Durch zielgerichtete Analysen können wir uns auf Ausreißer und unerwartete Entwicklungen fokussieren, Ursachen ermitteln und flexibel reagieren. Neben klassischen Datenanalysen wie Trendanalysen, Relationen oder Ausreißeranalysen sind dabei auch statistische und innovative Methoden in den Prüfungsansatz integriert, beispielsweise Process Mining. Auch weitere innovative Elemente wie künstliche Intelligenz oder Predictive und Prescriptive Analytics werden in der Datenanalyse immer mehr an Bedeutung gewinnen und die Prüfung kontinuierlich verändern.

Denkst du, dass Wirtschaftsprüfer:innen mehr und mehr durch KI ersetzt werden? 

Die fortschreitende Integration künstlicher Intelligenz wird sicher dazu führen, dass der Automatisierungsgrad auch für komplexere Tätigkeiten erhöht wird. Heute können Abschlussprüfungen schon weitgehend virtuell durchgeführt werden. Bei den Non-Routine-Prozessen und ermessensbehafteten Prüfungsgebieten wird es aber noch sehr lange dauern, bis künstliche Intelligenz belastbare Ergebnisse liefern kann. Bis dahin bleibt die persönliche Anwesenheit in bestimmten Fällen sinnvoll und qualitätserhöhend. Außerdem wird die Verantwortung – und am Ende auch die Haftung – auf absehbare Zeit bei den jeweiligen Wirtschaftsprüfer:innen bleiben. Ob KI, aber auch Drohnen, Augmented Reality und Hologramme die physische Präsenz in Zukunft vollständig ersetzen können, wird sich zeigen. KI wird unseren Job also definitiv verändern, uns aber nicht unbedingt ersetzen. Die vielfältigen Profile der EY-Mitarbeitenden, häufig mit Schwerpunkt im Digital-Bereich, beweisen jedoch, dass immer mehr technisches Know-how auch für den Bereich der Wirtschaftsprüfung gefragt sind.

Wenn ihr technisches Interesse habt und euch für Veränderungen begeistert, besucht unsere Karriereseite und erfahrt mehr über eure Karrieremöglichkeiten in der Wirtschaftsprüfung bei EY.