Anwältin mit Leib und Seele – 24 Stunden am Tag

Bärbel Kuhlmann ist Rechtsanwältin und Partnerin bei EY Law in Deutschland, wo sie den Bereich Arbeitsrecht leitet. Im Interview erzählt sie, welche Herausforderungen ihr Beruf mit sich bringt und warum sie ihn dennoch liebt. 

Hallo Bärbel, wie sieht deine Tätigkeit als Leiterin des Bereichs Arbeitsrecht aus? 

Als Fachanwältin bediene ich die gesamte Klaviatur des Arbeitsrechts. Dabei geht es nicht nur um rechtliche Fragen im Rahmen bestehender Arbeitsverhältnisse. Unsere Beratung beginnt mit der strategischen Personalplanung und setzt sich fort beispielsweise über Umstrukturierungen, Transaktionen, Verlagerungen, die Einrichtung von Shared-Service-Centern und die Entsendung von Mitarbeitenden. Darüber hinaus berate ich mit meinem Team zur betrieblichen Altersversorgung und zu Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen. Immer wichtiger wird auch das Öffentliche Arbeitsrecht, besonders in Kommunen und Gesellschaften in Bundeseigentum. 

Wie unterscheidet sich die juristische Arbeit in einem Beratungsunternehmen von jener in einer Wirtschaftskanzlei? 

Der Unterschied liegt vor allem im interdisziplinären Handeln. In einem Beratungsunternehmen wie EY muss man regelmäßig über den eigenen Tellerrand hinausschauen und auch andere Bereiche berücksichtigen. Größere Umstrukturierungsprojekte haben zum Beispiel auch steuerrechtliche Auswirkungen und bedürfen bei der Umsetzung eines Change-Management-Konzepts. 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?  

Frühmorgens bearbeite ich E-Mails und leite diese bei Bedarf an Kolleginnen und Kollegen weiter, um eine zeitnahe Bearbeitung sicherzustellen. Im Laufe des Tages gilt es, Termine wahrzunehmen – vor Ort und per Teams –, Anfragen zu beurteilen, Freigaben zu erteilen und Arbeitsergebnisse zu reviewen. Die Interaktion mit meinen Mitarbeitenden geschieht sternförmig, damit nichts ins Stocken gerät. Ich beantworte Anfragen von Mandanten, treffe Entscheidungen und spreche Empfehlungen aus. 

Darüber hinaus füllen auch Gerichtstermine sowie Meetings mit oder bei Mandanten einen großen Teil meines Arbeitstages aus. Recruiting, Learning und Training von Nachwuchskräften ist ebenfalls ein Thema, für das ich bei EY Law gerne die Verantwortung übernommen habe.  

Wie steht es bei EY Law um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?  

Die wird bei EY schon seit geraumer Zeit mit guten Konzepten und Programmen gefördert. Ich habe selbst drei – inzwischen erwachsene – Kinder und während meiner zehn Jahre bei EY keine nennenswerten Kollisionen erlebt. In den Teams wird Eigenverantwortung gefördert, sodass – eher unüblich für Kanzleien – auch mal Überstunden abgebaut werden können und Homeoffice möglich ist. Flexible Elternzeitwünsche werden unterstützt und Boni können in Freizeit umgewandelt werden. 

Wie hoch ist der Frauenanteil bei den Partner:innen? 

Von 40 Partner:innen bei EY Law sind acht Frauen, also 20 Prozent. Die Förderung von Frauen ist bei uns ein großes Thema: Wir versuchen, junge Rechtsanwältinnen früh abzuholen und ermutigen sie, sich eine Stellung als Partnerin zum Ziel zu setzen, indem wir ihnen Förderprogramme und Lehrgänge für Managerinnen anbieten. 

Welche Eigenschaften sollte man als Partner:in auf jeden Fall mitbringen? 

Das sind vor allem drei Dinge: Kompetenz, sowohl fachlich als auch geschäftlich, also ein Gespür für Ideen, Geschäftsmöglichkeiten und Lösungen. Dann die Fähigkeit, Mitarbeitende führen und ausbilden zu können. Dafür muss man Potenziale erkennen und Schwächen analysieren können. Und schließlich die Fähigkeit, interdisziplinär zu arbeiten: kommunikativ und offen sein, Verständnis für andere Themen als nur die eigenen haben, den richtigen Ton treffen und Geschäftsmöglichkeiten auch für andere Bereiche sehen. 

Was war die größte Herausforderung deiner Karriere und wie hast du sie bewältigt? 

Vor zwanzig Jahren hatte ich einen sehr guten Ausbilder. Nach meinem damaligen Wechsel in eine andere Kanzlei war ich jedoch vom ersten Tag an auf mich alleine gestellt. Jede Entscheidung selbst zu verantworten und dieser auch zu trauen, war eine Herausforderung. Doch dabei habe ich gelernt, wie wichtig ein solcher Schritt ist. Entwicklung findet außerhalb der Komfortzone statt! 

Welche Einschränkungen bringt der Beruf mit sich? 

Anwältin ist man 24 Stunden am Tag! Viele Fragen nimmt man mit nach Hause – schließlich kann man die Akte nicht einfach schließen und vergessen. Hinzu kommt die fehlende Planbarkeit der Aufgaben. Teilweise agiert man wie ein Jongleur mit einer wechselnden Anzahl von Tellern, die alle in der Luft bleiben müssen. Das ist aber auch einer der Gründe, warum ich diesen Beruf liebe. Es ist immer spannend und abwechslungsreich! 

Was ist dein persönlicher Ausgleich zum Arbeitsalltag? 

Familie, Freunde, Sport und Hund – wobei ich als leidenschaftliche Läuferin Sport und Hund gut verbinden kann. 

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