Zwischen Trauma und Traum: Safwats Geschichte

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ – dieses Sprichwort bringt die Geschichte von Safwat auf den Punkt. Sie handelt von Krieg und Trauer, aber auch Mut und Motivation. Wie Safwat vor dem Krieg geflohen ist, neu anfing und nie aufgegeben hat, erzählt er in diesem Interview. 

Hallo Safwat, du hast eine bewegte Vergangenheit hinter dir. Möchtest du dich kurz vorstellen?

Ich bin 40 Jahre alt, verheiratet und lebe mit meiner Frau und unseren drei Kindern seit sechseinhalb Jahren in unserer neuen Heimat Essen. Ursprünglich komme ich aus Syrien. Ich bin in Aleppo geboren und aufgewachsen und habe dort BWL studiert. Anschließend habe ich bei verschiedenen Unternehmen und Banken gearbeitet – bis ich meine erfolgreiche Karriere als Filialleiter einer großen Bank aufgrund des Krieges aufgeben musste. Die Entscheidung, zu fliehen und von heute auf morgen alles hinter mir zu lassen, fiel mir damals sehr schwer. Für meinen Erfolg in Syrien hatte ich schließlich enorm viel investiert. Mir wurde aber klar, dass ich ganz von vorne anfangen muss.

Mittlerweile arbeite ich seit fast zwei Jahren als Senior Consultant bei EY und bin im Business Consulting Teil eines großartigen und vielfältigen Teams.


Was waren für dich nach deiner Ankunft in Deutschland die größten Herausforderungen und wie hast du dich eingelebt?

Der Start in einem neuen Land und einer neuen Stadt war nicht leicht. Aber mein Lebensmotto „Du kannst, wenn du willst” hat mir Kraft und Ausdauer gegeben. Meinen Kindern wollte ich immer zeigen, dass Rückschläge ganz normal sind und dass man gestärkt aus ihnen hervorgehen kann, wenn man wieder aufsteht und weitermacht. 

Schon kurz nach meiner Ankunft habe ich angefangen, Deutsch zu lernen. Gleichzeitig habe ich mich ehrenamtlich in Vereinen und gemeinnützigen Organisationen engagiert. Ich wollte den Menschen in meiner neuen Heimat ein Stück von dem zurückgeben, was das Land mir und meiner Familie gegeben hatte und parallel meine neue soziale Umgebung aufbauen. In zahlreichen deutschen Städten hielt ich Vorträge über das Leben in Syrien mit dem Ziel, Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenzubringen. Immer wieder schloss ich mit dem Satz: „Wir haben alles verloren, aber unsere Träume haben wir behalten.“ Für mein soziales Engagement erhielt ich 2016 den Family-Award der Familie Löwenstein und wurde 2018 sogar vom Bundespräsidenten zum Bürgerfest im Schloss Bellevue eingeladen. Was für eine Ehre!

Insgesamt musste ich mich vielen verschiedenen Herausforderungen stellen und habe dabei vor allem drei Dinge gelernt. Erstens: Das Erlernen der Sprache ist ein Schlüssel für das Leben in Deutschland. Zweitens: Ohne neue Kontakte ist es kaum möglich, ein neues Leben zu starten. Und drittens: Immer positiv bleiben – das hilft beim Neustart. 


Ein paar Jahre später bist du bei EY gelandet. Wie kam es dazu?

Ich bin froh, dass ich meine Karriere in der Finanzdienstleistungsbranche auch in Deutschland fortsetzen konnte. 2016 startete ich erfolgreich bei einer der größten Banken hierzulande, fasste in dieser Branche erneut Fuß und sammelte wertvolle Erfahrungen. Drei Jahre später kam ich mit einem syrischen EY-Mitarbeiter ins Gespräch. Daraus entwickelte sich der Wunsch, selbst zu EY zu wechseln und mich dort weiterzuentwickeln. Also bewarb ich mich und wurde nach zwei für mich unvergesslichen Bewerbungsgesprächen Teil der EY-Familie.

Wie erlebst du Diversität und Inklusion bei EY persönlich und welche Rolle spielt dabei unser Leitmotiv „Building a better working world”?

Schon während meines Vorstellungsgesprächs habe ich gespürt, dass „Building a better working world“ bei EY weit mehr als ein Slogan ist. Als ich zum Beispiel eine meiner Schwächen benennen sollte, musste ich zugeben, dass die deutsche Sprache für mich trotz aller Fortschritte eine große Herausforderung war. Die Antwort meines Gesprächspartners hat mich überrascht und sehr motiviert. Er sagte: „Sie sprechen sehr gut Deutsch und haben die Sprache in sehr kurzer Zeit gelernt. Daran erkenne ich, dass Sie bereit sind zu lernen – und das ist es, was wir bei EY brauchen. Außerdem bringen Sie internationale Erfahrungen mit und sprechen mehrere Sprachen. Das sehen wir als großen Vorteil.” Da war mir klar, dass Vielfalt hier tatsächlich als wichtiger Teil der Unternehmensstrategie und -kultur gelebt wird. Ein paar Monate später bekam ich die Bestätigung, als ich mein vielfältiges Team kennenlernen durfte und von meinem Counselor und Buddy großartig unterstützt wurde. 


Das freut uns! Du fühlst dich bei EY also beruflich und persönlich angekommen?

Definitiv! Meinem großen Ziel, Manager zu werden, komme ich immer näher. Das verdanke ich den Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie dem Beförderungssystem bei EY – und vor allem der zahlreichen Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzte und Partner. Ich bin dankbar für das Vertrauen und gebe mein Bestes, um die Erwartungen zu erfüllen und zu übertreffen. 

Was möchtest du unseren Leserinnen und Lesern zum Abschluss noch mitgeben?

Meine Geschichte hat zwei Seiten, wie alles im Leben. Es wird nie alles perfekt sein und immer wieder kommen neue Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Auch meine Pläne sind manchmal gescheitert, obwohl ich hart an ihnen gearbeitet habe. Aber wenn sich eine Tür schließt, öffnen sich andere. Gebt eure Ziele nie auf, glaubt an den eigenen Erfolg und bleibt dran!

Willkommen am Arbeitsplatz für alle! Egal, wer ihr seid und woher ihr kommt: Bei EY werdet ihr spüren, dass ihr dazugehört. Entdeckt, wie vielfältig und inklusiv unser Arbeitsumfeld ist!