Erfolg und Integrität – ein Widerspruch in sich?

Wie definieren wir als Gesellschaft und als Akteur:innen in unserem Wirtschaftssystem eigentlich Erfolg? Was braucht es, um erfolgreich zu sein – und wie messen wir diesen Erfolg? Diese Fragen wurden allzu lange mit finanziellen Kennzahlen beantwortet: Erfolgreich ist, wer viel Geld verdient. Doch diese Sichtweise ändert sich, es werden neue Fragen gestellt: Wie und womit wird Geld verdient? Welchen Effekt hat die Produktion auf unsere Umwelt? Werden internationale Bestimmungen eingehalten? Kann ich als Konsument:in den Kauf eines Produktes moralisch vertreten? Globalisierung, Vernetzung und Transparenz führen zu gesellschaftlicher Verantwortung für Organisationen. In einem nicht nur wirtschaftlichen, sondern viel komplexeren, weltweiten Gesellschaftssystem muss Erfolg neu definiert werden. Sozial verantwortliches und integres Wirtschaften wird nicht mehr als kostspieliger Luxus gesehen – es ist die Daseinsberechtigung eines modernen Unternehmens.

Als Partnerin der EY Forensic and Integrity Services und Leaderin der EMEIA Integrity Solution unterstütze ich mit meinem Team unsere Mandanten, diesen immer stärker aufkommenden Anforderungen gerecht zu werden. Im Kern geht es darum, zu verstehen, wie Menschen (schwierige) Entscheidungen treffen und wie ein organisationaler Rahmen geschaffen werden kann, der es Menschen im Unternehmen vereinfacht, moral-ethische Aspekte und mögliche Folgen zu reflektieren.

Wie war mein Weg dorthin? Nach meinem Studium in Lausanne, der ersten beruflichen Station bei HP, der Rolle als Managing Director in einer Marketing-Agentur und knapp zehn Jahren in der französischen Schweiz gab es einen Umbruch in meinem Karrieredenken und meiner Definition von Erfolg: die Finanzkrise 2008. Die Fragen nach ihren Ursprüngen, individuellem oder systemischem Versagen und der Bedeutung für unsere Art zu wirtschaften ließen mich nicht los. Ich brach meine Zelte am Genfer See ab, zog nach New York und begann an der Columbia University im Rahmen meiner Doktorarbeit zu Whistleblowing im Finanzsektor zu forschen. Dabei wurde mir immer klarer, dass Organisationen wissenschaftliche Erkenntnisse über die Entscheidungsfindung von Menschen in das Design von Systemen, Prozessen und Kultur integrieren müssen. Denn Fehlentscheidungen werden von Individuen getroffen, aber von ihrem Kontext mitverursacht.

Diese Fragen, Aufgaben und Chancen sind es, die mich jeden Tag aus dem Bett treiben – für unsere Mandanten, ihre Organisationen, unsere Wirtschaft und die Menschen, die dort arbeiten. Wie können wir als Gesellschaft die Herausforderungen rund um unseren Planeten, Daten und Privatsphäre, Fehlinformationen und Demokratiegefährdung, soziale Ungleichheit und geopolitische Verschiebungen meistern? Welche Rolle wollen wir dabei spielen? Und welche Rolle müssen dabei Unternehmen spielen?

Ich hoffe, mein Blogbeitrag hat euch einen kurzen Überblick über die Themen gegeben, die mich begeistern und über die ich mir auch mal den Kopf zerbreche. Selbstverständlich könnt Ihr jederzeit mit Fragen auf mich zukommen, und ich würde mich freuen, von Euren Erfahrungen, Ideen, Perspektiven, Sorgen, Fragen und Zielenzu hören.

Ihr möchtet mehr über Katharina Weghmann erfahren? Dann hört ab dem 2. Juni in unsere neue Folge bei EY Careers Spotlight rein: auf der EY Website, bei Spotify oder bei Apple Podcasts.