Raus aus dem Lehrsaal, rein in die Fallstudie

Studierende aus 21 verschiedenen Ländern und eine spannende Case Study: Das ist der Wettbewerb “Young Tax Professional of the Year” (YTPY).

Ich bin Sebastian, Jurastudent an der Universität Osnabrück mit dem Schwerpunktfach Steuerrecht. In diesem Beitrag will ich Euch von meinen Erlebnissen beim Finale des YTPY in Amsterdam berichten.

Und so hat alles begonnen: Über die Facebookseite des Instituts für Finanz- und Steuerrecht der Universität Osnabrück bin ich auf den steuerlichen Wettbewerb aufmerksam geworden. Da ich im Vorfeld schon Erfahrungen im internationalen Steuerrecht und in der multinationalen Zusammenarbeit von Studierenden im Bereich des Steuerrechts (EUCOTAX) sammeln konnte, war mir sofort klar, dass ich diese Chance einfach wahrnehmen musste.

Nach einem steuerrechtlichen Onlinetest wurden 15 Teilnehmer für ein Wochenende nach Hamburg eingeladen. Dort wurde ich als deutscher Teilnehmer für den Wettbewerb in Amsterdam auserkoren. Im Vorfeld wurde mir von EY bereits ein Mentor zur Seite gestellt, bei dem ich mich an dieser Stelle sehr für die professionelle Vorbereitung auf den Wettbewerb bedanken möchte.

Am 24. November 2018 ging es dann endlich los. Glücklicherweise war meine Anreise mit der Bahn (ohne Verspätung) im Vergleich zu den anderen Teilnehmern zeitlich sehr überschaubar. Die wohl kräftezehrendste Anreise von 13 Stunden mit dem Flugzeug hatte die Teilnehmerin aus Australien! Spoiler: Dennoch konnte sie sich im Wettbewerb gegen alle anderen Teilnehmer durchsetzen, doch dazu später mehr.

Als wir in unserem schönen und zentral gelegenen Hotel angekommen waren, wurden wir sogleich mit Snacks und Getränken empfangen. Ganz unkompliziert konnte man sich unter die anderen Teilnehmer mischen und wir kamen sofort miteinander ins Gespräch. Es zeigte sich wieder einmal, dass Sprachbarrieren in unserer Generation kaum noch existieren. Besonders die „Native Speaker“ bemühten sich direkt von Beginn an sehr darum, alle in die Gesprächsgruppen zu integrieren. Natürlich habe ich mich am ersten Tag auch gleich mit den anderen Teilnehmern der GSA-Region aus der Schweiz und Österreich ausgetauscht. Nach dem Abendessen verabschiedeten sich die Teilnehmer dann schnell, denn alle wollten sich von den Reisestrapazen erholen und für die kommenden Tage bereit sein!

Der zweite Tag lässt sich wohl am besten als großes Kennenlernen beschreiben. Wir hatten die Möglichkeit, uns mit jedem der anderen Teilnehmer intensiv zu unterhalten und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Auch die Organisatoren stellten sich vor und gaben einen Überblick über die nächsten Tage. Im Verlauf des Tages stellte sich auch Susan Pitter, Global Deputy Vice Chair for Tax bei EY, vor und berichtete uns mehr über die EY Tax. Am Vormittag konnten wir dann bei der Gruppenarbeit unserer Kreativität freien Lauf lassen. In Teams sollten wir ein Konzept für eine Mobile App für EY entwickeln und dieses anschließend vorstellen. Im Anschluss an das Mittagessen machten wir uns auf den Weg zu einem „Escape Room“, dabei konnten wir erneut unsere Teamfähigkeiten unter Beweis stellen und ausbauen.

Am darauffolgenden Tag standen unsere Präsentationsfertigkeiten im Fokus. Nach diversen Aufwärmübungen und Tipps zum Präsentieren hatten wir die Möglichkeit, in Kleingruppen eigene Präsentationen vorzustellen. Anschließend gab es dann von einem internationalen Coach sowie von den anderen Teilnehmern konstruktives Feedback. Ich muss wirklich sagen, dass ich alleine an diesem Tag mehr über das Präsentieren gelernt habe als in meiner gesamten Schul- und Studienzeit!

Mit diesem neuerlernten Repertoire an Fähigkeiten startete dann also der „Game Day“. Alle Teilnehmer erhielten ihre Case Study. Nach einem kurzen Einlesen ging es in die von der Jury beobachtete Gruppendiskussion in Kleingruppen. Wir hatten eine sehr harmonische Gruppendiskussion und haben uns alle bemüht, jeden miteinzubeziehen. Im Anschluss war dann jeder seines eigenen Glückes Schmied: In 40 Minuten sollten wir einen Lösungsansatz der Case Study vorbereiten, um diesen dann der Jury zu präsentieren.

Daraus sollten sich die besten sechs Teilnehmer herauskristallisieren, welche anschließend die Chance bekamen, ihr im Vorfeld angefertigtes Statement zur Digitalisierung im Bereich Steuern vorzutragen. Leider konnte ich mich gegen die starke Konkurrenz nicht durchsetzen. Deshalb hatten ich sowie 14 andere Teilnehmer den Nachmittag zur freien Verfügung und wir nutzten die Zeit, um ausgiebig Amsterdam zu erkunden.

Die Siegerehrung fand am Abend auf der „New Senior Gala“ statt. Der dritte Platz ging wohlverdient an den Teilnehmer aus Südafrika, der zusätzlich auch den Integrationspreis gewann. Den zweiten Platz belegte der Teilnehmer aus Malaysia, der sich insbesondere außergewöhnlich gut mit dem Thema „Digitalisierung“ auskannte. Gewinner des Abends – und somit auch der Business-Weltreise – war die Teilnehmerin aus Australien, die sich besonders dadurch auszeichnete, sich nicht von den Fragen der Jury aus dem Konzept bringen zu lassen und ein breites Spektrum an steuerlichen Themenfelder abdecken konnte.

Abschließend kann ich sagen: Alle Teilnehmer – ganz gleich ob Gewinner oder nicht – haben in der kurzen Zeit sehr viel gelernt und unglaublich viel Spaß gehabt. Im Zeitraum von fünf Tagen hat man einige Freundschaften geschlossen und unglaublich viele interessante und interessierte Menschen kennen gelernt. Solche Erfahrungen macht man nicht in einem Hörsaal! Also macht mit und ergreift die Chance, der “Young Tax Professional of the Year 2019“ zu werden.

Viele Grüße
Sebastian