Karrierekick statt Karriereknick

Ein Kind als Karrierebremse? Transaktionsberaterin Sandra Zahn stieg nach der Elternzeit bei ihrem neuen Arbeitgeber EY in Teilzeit ein und machte bereits kurz danach den nächsten Karriereschritt zur Partnerin.

Viele Frauen denken, dass sie sich irgendwann zwischen Kind und Karriere entscheiden müssten. Dabei ist dies heute oft keine Frage mehr von Entweder-oder. Sandra Zahn (41) beispielsweise hat 2018 den wichtigen Karriereschritt zur Partnerin bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY gemacht. Dabei liegt ihre Elternzeit nach der Geburt ihres Kindes erst wenige Jahre zurück. Wie sie den Spagat zwischen Kind und Job managt und wie ihr Arbeitgeber EY sie dabei unterstützt, verrät Sandra Zahn im Interview.

EMOTION: Frau Zahn, Sie sind 2015 bei EY in Teilzeit eingestiegen und haben 2018 Ihren nächsten Karriereschritt gemacht. Ist das nicht gerade in der dynamischen Beratungsbranche ein Widerspruch?

Sandra Zahn: Mein Beispiel zeigt, dass es eben kein Widerspruch sein muss. EY war sehr interessiert an mir. Der Kontakt kam über einen Headhunter zustande. Ich hatte bei meinem früheren Arbeitgeber mit 20 Stunden wieder angefangen zu arbeiten und wollte nicht aufstocken, da mein Kind gerade in die erste Klasse kam. Das war aber für EY überhaupt kein Problem, denn Mitarbeiter haben sehr viele Möglichkeiten, flexibel zu arbeiten. Sei es, um Arbeit und Familie besser unter einen Hut zu bekommen, berufsbegleitend zu studieren oder einfach mehr Zeit für das eigene Hobby zu haben.

Fiel es Ihnen nach der Auszeit schwer, sich im Job – noch dazu bei einem neuen Arbeitgeber – zurechtzufinden?

Schon nach der Geburt meines Kindes hat mir mein ehemaliger Arbeitgeber angeboten, vier Stunden pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Deshalb habe ich den Anschluss nie verloren.

Ließ sich denn Ihr neuer Job als Senior Manager gut in 20 Stunden pro Woche meistern?

Es stellte sich heraus, dass mit diesem Zeitbudget feste Zeiten eher schwer einzuhalten sind, zumal ich oft erreichbar sein muss. Deshalb habe ich schnell auf 30 Stunden aufgestockt, nachdem mein Kind sich gut in der Schule eingelebt hatte. EY bietet mir hier immer noch andere Möglichkeiten, flexibel zu sein. Beispielsweise kann ich viel im Homeoffice arbeiten. Seit April 2017 bin ich nun wieder in Vollzeit tätig. Dabei kann ich mehr oder weniger autark arbeiten und habe die nötige Flexibilität für meine Familie. Natürlich ist es trotzdem manchmal herausfordernd, denn mein Arbeitstag hält für mich auch immer wieder Überraschungen und Ad-hoc-Aufträge bereit. Letztlich ist es auf beiden Seiten ein Geben und Nehmen.

Im Juli 2018 haben Sie nun den Schritt zur Partnerin bei EY gemacht und übernehmen noch mehr Verantwortung. Wie kam es dazu?

Das Schöne bei EY ist: Die Kolleginnen und Kollegen hier schauen vor allem auf das Potenzial, das jemand mitbringt. So war es auch bei mir. Aufgrund meiner Leistung hat EY mir diese Rolle zugetraut und ermöglicht, diesen Karriereschritt zu gehen. Mir war dabei sehr wichtig, dass ich diese Aufgabe auch mit Familie realistisch abbilden kann. Hier habe ich viel Unterstützung und Zuspruch von EY erfahren.

Warum ist es Ihrem Arbeitgeber so wichtig, Sie zu unterstützen?

Gleichberechtigung und gleiche Bezahlung sowie mehr Frauen in Führungspositionen – das sind sehr wichtige Anliegen für EY, denn wir haben erkannt, dass Vielfalt in unseren Teams zu besseren Ergebnissen führt. Allerdings gelingt dies eben nur, wenn ein Unternehmen seinen Beschäftigten – bei EY übrigens Frauen und Männern gleichermaßen – mehr Flexibilität ermöglicht.

Was würden Sie Frauen raten, die nicht so recht wissen, ob sie ihre Karrierepläne mit dem Kinderwunsch vereinbaren können?

Habt Mut! Klärt in Ruhe mit eurem Arbeitgeber, welche Möglichkeiten es im Unternehmen für Eltern gibt, um Familie und Beruf möglichst gut miteinander vereinbaren zu können. Denn flexible Arbeitsbedingungen sind die beste Voraussetzung, um trotz der Arbeit für die Kinder da zu sein, wenn es darauf ankommt.