Echte Chance: Väter in Elternzeit

Elternzeit ist Frauensache: Diese Aussage stimmt heute nicht mehr so ganz, denn mittlerweile nimmt sich ein Drittel der Väter eine Auszeit vom Job, um sich um den Nachwuchs zu kümmern.

In den meisten Fällen sieht die Aufteilung so aus, dass die Mutter den Großteil der Elternzeit nimmt und der Vater am Anfang und Ende jeweils einen Monat zuhause bleibt. Viele Männer ziehen es zudem immer noch vor, statt Elternzeit Urlaub zu nehmen, ihre Arbeitszeit für eine Weile zu reduzieren oder Überstunden abzubauen, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Was ist aber, wenn der Vater sich um das Kind kümmert, während die Mutter nach kurzer Zeit wieder in den Job zurückkehrt? So hat es Nico Schilling gemacht. Er arbeitet in der Personalabteilung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Im Interview verrät er, wie sein Umfeld – sowohl beruflich als auch privat – auf seine Entscheidung reagiert hat.

EMOTION: Sie haben zwölf Monate Elternzeit genommen, ihre Frau drei Monate. Wie kamen Sie auf diese Aufteilung?

Nico Schilling: Meine Frau ist kurz nach der Geburt unseres Kindes wieder in den Job zurückgekehrt, weil sie während der Schwangerschaft das Angebot bekam, eine Teamleitung zu übernehmen. Zu dem Zeitpunkt wusste allerdings noch niemand in ihrem Team, dass sie schwanger ist. Sie spielte mit offenen Karten und erzählte es ihrer Vorgesetzten. Wenn sie zwölf Monate in Elternzeit gegangen wäre, hätte diese Chance sicherlich noch auf sich warten lassen. Daher haben wir uns darauf geeinigt, dass meine Frau nach drei Monaten wieder in ihren Job einsteigt und ich ab diesem Zeitpunkt Elternzeit nehme.

Wie haben Ihre Kollegen und Ihre Vorgesetzten auf Ihr Vorhaben reagiert?

Ich muss zugegeben, im Vorfeld hatte ich wirklich ein wenig Angst davor, dass ich auf Unverständnis stoße. Aber diese Sorge war völlig unbegründet. Alle haben sich für mich gefreut und mich unterstützt. Und als bereits feststand, dass ich für eine Weile das Notebook für die Erziehung meines Sohnes beiseite lege, wurde ich trotzdem befördert. Das war dann der endgültige Beweis für mich, dass mein Arbeitgeber wirklich hinter mir steht.

Haben Sie während Ihrer Elternzeit viel an Ihren Job gedacht?

Um mir den Wiedereinstieg zu erleichtern, war es mir wichtig, nicht komplett den Anschluss zu verlieren. Während der gesamten Zeit blieb der Kontakt zu meinen Kollegen und zu meiner Chefin bestehen. Einmal im Monat habe ich mit ihr telefoniert und war hin und wieder mit dem Baby auch im Büro.

Wurden Sie auch mit Vorurteilen konfrontiert und wie haben Sie darauf reagiert?

Nicht im beruflichen Umfeld. Aber privat ist es hin und wieder passiert, dass mich vor allem die „ältere Generation“ etwas verwundert angeschaut hat, wenn ich erzählt habe, dass ich für 12 Monate in Elternzeit gehe. Ich wurde mit Aussagen und Fragen konfrontiert wie „Ein so kleines Kind gehört doch aber zu seiner Mama.“ oder „Weißt du denn überhaupt, wie das geht?“. Ich konnte aber allen Zweiflern beweisen, dass die Bedenken unbegründet waren.

Haben Sie einen Tipp für Männer, die noch damit hadern, mehr als zwei Monate Elternzeit zu nehmen?

Jedem Mann, der die Chance hat, für einen längeren Zeitraum in Elternzeit zu gehen, kann ich nur empfehlen, mit seinen Vorgesetzten darüber zu sprechen. Vor allem im privaten Umfeld sehe ich immer wieder, dass viele Unternehmen ihre Mitarbeiter beim Thema Elternzeit sowie dem Wiedereinstieg vorbildlich unterstützen. Also Männer, habt keine Angst bei dem Thema! Die Erfahrungen und die tiefe Bindung, die man in dieser Zeit zu seinem Kind aufbaut, sind unbezahlbar und unwiderruflich. Es wird euer Leben nachhaltig verändern.