IT Due Diligence: So unterstützen EY-Berater Unternehmen bei der Digitalisierung

Wann immer ein Unternehmen gekauft oder verkauft wird, muss auch der Zustand der gesamten IT sorgfältig geprüft werden. Denn wenn die Software eines Unternehmens in ein paar Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig wäre, würden auch gute Gewinne nicht helfen.

Berater wie Senior Manager Martin Kügler aus den Transaction Advisory Services bei EY kümmern sich darum, solchen Herausforderungen frühzeitig zu begegnen. Martin ist Teil des Bereiches Operational Transaction Services, wo über 220 Kolleginnen und Kollegen für die operative Umsetzung von Transaktionen zuständig sind. Dabei prüft er nicht nur den Zustand der IT eines Unternehmens, sondern verfasst auch Berichte für Investoren und deren Banken. Wir haben uns mit Martin Kügler über das Thema Due Diligence und die Herausforderungen rein digitaler Geschäftsmodelle unterhalten.

“Für mich war es besonders interessant, mein Technologie-Know-how mit dem Wissen über Betriebswirtschaft zu verknüpfen. Ich wäre nie ein herausragender Techniker oder Experte für Corporate Finance geworden.” – Martin Kügler, Senior Manager, Ernst & Young GmbH

1) Was ist Ihre Position bei EY und wie lange sind Sie schon im Unternehmen?

Ich bin seit 2016 bei EY und als Senior Manager im Bereich OTS (Operational Transaction Services) mit Fokus auf IT Due Diligence tätig.

2) Warum haben Sie sich für EY als Arbeitgeber entschieden?

Für mich war es besonders interessant, mein Technologie-Know-how mit dem Wissen über Betriebswirtschaft zu verknüpfen. Ich wäre nie ein herausragender Techniker oder Experte für Corporate Finance geworden. Aber beides auf dem recht hohen Niveau zu kombinieren, gelingt mir ganz gut, und das ist im Bereich IT M&A nun mal wichtig. Da EY der Marktführer in Deutschland im Bereich Due Diligence ist, war das für mich ein logischer Schritt.

3) Mit welchen Kunden haben Sie bei EY zu tun?

Bei EY beraten wir Unternehmen aus allen Branchen. In 90 % der Fälle unterstützen wir potenzielle Käufer. Somit überprüfen wir meist die IT des zu akquirierenden Unternehmens. Besonders wichtig dabei sind Applikationen, Infrastruktur und die Leistungsfähigkeit der IT-Organisation. In manchen Fällen sind wir im Anschluss an die Due Diligence auch für die IT-Integration des dann bereits akquirierten Unternehmens zuständig. Mein persönliches Highlight war eine der größten Start-up-Akquisitionen auf dem deutschen Markt. Dabei haben wir einem mittelständischen Unternehmen geholfen, ein noch recht junges Start-up aus Berlin zu akquirieren. Die Herausforderung der Due Diligence war es, zu verstehen, wie die einzelnen technologischen Komponenten der E-Commerce-Plattform auf das Geschäftsmodell abgestimmt sind und wie sich das wiederum auf die Customer Experience auswirkt.

4) Wie hat sich das Umfeld der IT Due Diligence in den vergangenen Jahren entwickelt?

Vor einigen Jahren noch war die wesentliche Aufgabe der IT Due Diligence die Analyse von IT-Applikationslandschaften und deren Zusammenspiel mit der Geschäftsprozesslandschaft. Mittlerweile jedoch erreichen uns immer mehr Anfragen von Investoren, die an Unternehmen mit einer sehr komplexen Technologie interessiert sind. Immer öfter haben wir es mit Online-Plattformen, Internet of Things (IoT) und manchmal sogar Anwendungen auf Basis künstlicher Intelligenz zu tun. Vor allem Akquisitionen von rein digitalen Geschäftsmodellen nehmen rasant zu. Daher ist Tech Due Diligence mittlerweile der passendere Begriff.

5) Läuft die Due Diligence bei einem digitalen Geschäftsmodell anders ab?

Neu ist, dass die Due Diligence heutzutage deutlich interdisziplinärer erfolgen muss. Wir bieten dies dem Kunden auch als Kombination aus Commercial, Tech und Operational in Form der „Digital Due Diligence“ an. Beispiel Online-Shop: Hier prüft das IT-Team die technische Umsetzung, also Software-Architektur, User Experience und so weiter. Die Kollegen der Commercial Due Diligence prüfen wichtige Kennzahlen wie Umsatzwachstum oder Conversion, also den Anteil der Webseitenbesucher mit abschließendem Kauf. Aber: Ein Online-Shop, der kommerziell sehr erfolgreich in einer Nische agiert, jedoch technisch keinen echten Mehrwert für den Kunden bietet, muss nicht langfristig erfolgreich sein. Allein und ohne Kontext sagen also weder die technische Sicht noch die kommerziellen Kennzahlen etwas über die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells aus.