Demokratische Führung – wie geht denn sowas?

Wir wollten es genau wissen: Was verbirgt sich hinter dem Ausdruck „demokratische Führung“ – einem Begriff, der zurzeit oft zu lesen ist und immer irgendwie gut klingt?

Wie „demokratische Führung“ gelebt werden kann und welche Vorteile dieser Führungsstil bringt, erklärt Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der Geschäftsleitung und personalverantwortliche Partnerin von EY für Deutschland, Schweiz und Österreich. Sie ist zudem Partnerin im Bereich Transaction Advisory Services von EY.

Liebe Frau Grohnert, Demokratie und Führung klingt wie ein Widerspruch in sich, oder?

Das klingt in der Tat zunächst so. Aber wenn man das demokratische Prinzip der freien Wahl auf die Arbeitswelt überträgt, sind die zwei gar nicht so weit von einander entfernt.

Ich entscheide mich, wo und für wen ich arbeite – und wann ich gehe. Und letzteres hängt oft mit der Führung zusammen: Wie zufrieden bin ich mit der Chefin oder dem Chef? Das ist heute ein wichtiges Entscheidungskriterium und Auslöser dafür, ob ich bleibe oder mich nach etwas Neuem umsehe.

Das war vor ein paar Jahren auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch nicht so. Als ich damals angefangen habe, hatten die Arbeitgeber die Wahl, da es durch die geburtenstarken Jahrgänge in den 60er-Jahren mehr Bewerber als Stellen gab.

Wird beim Prinzip der „demokratischen Führung“ dann eigentlich automatisch die beliebteste Kollegin Chefin oder der beliebteste Kollegen Chef?

Man darf Beliebtheit nicht damit verwechseln, ob ich mich auch gerne von einer solchen Person führen lasse. Hier will ich mehr sehen: Kann sie mich inspirieren? Führt sie das Team zum Erfolg? Letztlich entscheiden die langfristigen Erfolge der Abteilungen darüber, wer eine gute Führungskraft ist.

Zudem gibt es moderne Messmethoden, die zum Beispiel in Mitarbeiterbefragungen eingesetzt werden. Sie produzieren Kennzahlen, an denen objektiv abzulesen ist, wo man im Unternehmen die guten Führungskräfte findet. Auch bei EY nutzen wir diese Möglichkeit, um unsere Führungskräfte, Teams und damit Gesamtorganisation weiterzuentwickeln.

Wie definieren Sie denn eine demokratische Führungskraft?

Für mich geht es bei der demokratischen Führung vor allem um die innere Haltung. Eine demokratische Führungskraft holt alle Meinungen aus dem Team ein und versucht, einen Konsens zu schaffen. Zugleich muss sie aber auch unangenehme Entscheidungen vertreten und verständlich kommunizieren können.

Es geht um Überzeugungskraft im Alltag, die alle motiviert, gemeinsam an einen Strang zu ziehen. Und zu akzeptieren, dass wir Menschen sind, die Fehler machen, aus denen wir im besten Falle lernen – und nicht endlos einen Schuldigen suchen. Das ist keine leichte Aufgabe und verlangt zuallererst die Fähigkeit, sich selbst führen zu können.

Wie wird demokratische Führung bei EY gelebt und gefördert?

Wir gehen das Thema von zwei Seiten an – vom Mitarbeiter und von der Führungskraft. Denn Demokratie bedeutet ja, dass ich als Bürger auch Pflichten habe.

Wir stärken unsere Mitarbeiter durch das sogenannte „Empowerment“. Das heißt, dass wir ihnen Verantwortung für ihre Karriere bei EY übertragen und sie zugleich in dieser Verantwortung stärken. Über das Konzept des „Engagement“ ermöglichen wir ihnen die Teilhabe an der Gestaltung unserer People Agenda, indem wir mit ihnen in einen beständigen Dialog treten und neue Formate dazu ausprobieren.

Unsere Führungskräfte unterstützen wir, indem wir ihnen Raum geben, ihre Führungsqualität zu reflektieren und zu verbessern – beispielsweise in Workshops oder mithilfe eines Coaches.

 Wenn wir in die Glaskugel schauen: Wie sieht die perfekte Führung der Zukunft aus?

„Command and Control“ ist immer einfacher in der Ausführung als „Inspire and Lead“. Aber es ist in der modernen Arbeitswelt nicht mehr zeitgemäß. Perfekte Führung ist für mich Moderation, Bescheidenheit und Respekt.

Heutzutage möchten Mensch sich mit ihrer Arbeit identifizieren können und wünschen sich eine Leitfigur, der sie folgen wollen, weil sie ihr vertrauen. Ich sehe das genauso.

Liebe Frau Grohnert, vielen Dank für dieses spannende und inspirierende Gespräch zur „demokratischen Führung“.

Habt Ihr Fragen an Ana-Cristina Grohnert? Dann stellt diese gerne in unserem Blog.

Eure Marisa


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